Normalerweise läuft MrWissen2go auf dem Smartphone-Bildschirm. Diesmal stand er leibhaftig vor uns in der Bibliothek – Mirko Drotschmann, dem Millionen Menschen auf YouTube folgen, um Politik, Geschichte und Gesellschaft zu verstehen, war zu Gast an unserer Schule. Und er hatte einiges zu sagen.
„Eine KI kann täuschend echte Bilder und Texte produzieren – die Frage ist: Wie erkenne ich, ob das stimmt, was ich gerade sehe?“ – Mirko Drotschmann alias MrWissen2go
Der Abend begann mit einer simplen Frage ans Publikum: „Wer hat schon etwas geglaubt, das sich später als falsch herausgestellt hat?“ Viele Hände gingen hoch – manche zögerlich, manche sofort. Genau da setzte Drotschmann an. Fake News, erklärte er, seien keine neue Erfindung. Lügen und Propaganda gebe es seit Menschen Geschichten erzählen. Neu sei aber das Tempo, mit dem falsche Informationen heute reisen: Ein Klick, ein Share, ein Like – und binnen Stunden glaubt es die halbe Timeline.
Besonders aufmerksam wurde das Publikum, als er auf Künstliche Intelligenz zu sprechen kam. Mit ein paar Beispielen machte er deutlich, wie überzeugend KI-generierte Texte, Bilder und sogar Videos inzwischen wirken können. „Deepfakes“ – also gefälschte Videos, die echten Personen falsche Aussagen in den Mund legen – sind längst kein Science-Fiction-Szenario mehr. Der Gedanke, dass man einem Video von Politikerinnen oder Politikern nicht mehr unbedingt trauen kann, ließ sichtlich viele im Raum schlucken.
Das Ziel ist, einen gesunden kritischen Blick zu entwickeln. Wer Informationen hinterfragt, Quellen prüft und nicht beim ersten emotionalen Impuls auf „Teilen“ drückt, tue bereits sehr viel für sich selbst – und für die Gesellschaft.
Ein besonderer Moment war die offene Fragerunde. Die Fragen, die aus dem Publikum kamen, waren alles andere als oberflächlich: Kann man KI irgendwann gar nicht mehr von echten Inhalten unterscheiden? Wie können wir unsere Kinder vorbereiten und sie in die Lage versetzen, verantwortungsbewusst damit umzugehen? Drotschmann antwortete geduldig, ehrlich – und manchmal mit entwaffnender Offenheit: „Darauf gibt es keine einfache Antwort. Weitere Gesetze sind nicht nötig, wir haben eine ganz wunderbares: das Grundgesetz. Wir müssen die Möglichkeiten ausschöpfen.“
Am Ende hatte der Abend etwas hinterlassen, das nicht selbstverständlich ist: echtes Nachdenken.
Ein herzliches Dankeschön an MrWissen2go für seinen Besuch – und an alle, die den Abend möglich gemacht haben, allen voran der Förderverein unserer Schule, der die Finanzierung unterstützt hat. Wir hoffen, dass solche Veranstaltungen kein Einzelfall bleiben. Die Fragen, die gestellt wurden, sind dringend. Und sie betreffen uns alle.
Petra Bock


